Tag gegen Gewalt an SexarbeiterInnen

 Der 17. Dezember gilt als Internationaler Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen. An diesem Tag versammeln sich Sexarbeiter*innen und Verbündete [und Anwälte]* für ein Ende der systematischen Gewalt. Sie organisieren Mahnwachen, Demonstrationen und Proteste gegen die Kriminalisierung undStigmatisierung der Sexarbeit, die die Schutzlosigkeit von Sexarbeiter*innen gegen Gewalt aufrechterhalten. Wir laden auch Sie ein, an diesem Taggemeinsam mit uns Solidarität mit Sexarbeiter*innen auf der ganzen Welt zu zeigen.

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Berlin 7.2013

Stellungnahme von Sexworker.at LEFÖ – Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen, Maiz

Anlässlich dieses Aktionstages fordern die Selbstorganisation von SexarbeiterInnen und die Fachberatungsstellen in Österreich ein Ende der Diskriminierung und gesellschaftlichen Marginalisierung von SexarbeiterInnen.

Gewalt gegen SexarbeiterInnen äußert sich zwar auf der persönlichen Ebene, wird aber vor allem auch auf der strukturellen Ebene verursacht: durch die stigmatisierenden und diskriminierenden gesetzlichen Regelungen zur Ausübung der Prostitution und durch eine restriktive Migrationspolitik.

Sexarbeit ist in Österreich gesetzlich zwar erlaubt und steuerpflichtig, wird aber nach der gültigen Rechtsprechung als sittenwidrig angesehen. SexarbeiterInnen werden Pflichten aufgebürdet, ihre Rechte werden aber ignoriert und durch die gesetzliche Regelung und ihre Umsetzung ständig verletzt. Dazu gehören das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person (Art. 3, AEMR = Allgemeine Erklärung der Menschenrechte), das Recht auf Arbeit, freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen (Art. 23, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte) und das Recht auf gleichen Schutz durch das Gesetz (Art. 7, Art. 3, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte).

Doppelmoral ist Ausdruck einer gesellschaftlichen und politischen Diskriminierung von SexarbeiterInnen, die zu lebensgefährdenden Lebens- und Arbeitsbedingungen führt.

Die staatliche Kontrolle, Registrierung und Zwangsuntersuchung von SexarbeiterInnen widerspricht der internationalen Menschenrechtsgesetzgebung und schafft eine diskriminierende und schikanöse Realität für SexarbeiterInnen. Willkürliche Kontrollen, Arbeitsverbote, Abschiebungen, Missachtungen des Datenschutzes, Verletzungen der Privatsphäre und beleidigende und herabwürdigende Behandlungen sind Ausdruck dieser gefährlichen Haltung, die den Schutz der Rechte von SexarbeiterInnen vernachlässigt.

Die politische Ignoranz ist inakzeptabel. SexarbeiterInnen sind Frauen, Männer und Transgender Personen, denen uneingeschränkt alle Menschenrechte zustehen.

Nur Rechte verhindern Unrecht.

Unterzeichnet von:
Sexworker.at
LEFÖ – Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen
Maiz

 

Der 17. Dezember wurde ursprünglich als Gedenktag für die Opfer des “Green River”-Mörders begangen, der in den 1980er und 1990er Jahren in den USA über 90 Frauen ermordete. Die meisten der Opfer waren Sexarbeiterinnen und es dauerte 20 Jahre, bis der Mörder verurteilt wurde. Seit 2003 wird der 17. Dezember mit Demonstrationen, Gedenkveranstaltungen und Mahnwachen weltweit als Aktionstag begangen, um auf die Gewaltverbrechen aufmerksam zu machen, die gegenüber SexarbeiterInnen begangen werden und durch die Stigmatisierung und Kriminalisierung von SexarbeiterInnen verstärkt werden.